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Afrikas Süden setzt auf HANF

Wunderpflanze HANF für Medizin und Industrie  

 

Der Grund dafür liege auf der Hand, sagt Andre Bothma, Geschäftsführer des Unternehmens Medigrow. Denn es handle sich um ein medizinisches Produkt, für das es entsprechende Anlagen und Vorkehrungen geben müsse.  

 

Bothma verweist darauf, dass der Markt einen hohen Anteil an Cannabidiol-Wirkstoffen (CBD) erfordere. "Unsere Pflanzen haben viel CBD und nur in geringem Maße das Rauschmittel THC. Wir gewinnen das CBD direkt hier auf dem Gelände und zwar so, dass wir die bestmögliche Qualität erzielen." Die Produkte von Medigrow werden nach Kanada exportiert. Auch andere Länder, die sich zumindest theoretisch zu globalen Produzenten mausern könnten, haben den internationalen Markt im Blick.  

 

Sibusiso Xaba ist Chef der "Africa Cannabis Advisory Group". Das Unternehmen bietet Beratung und Analysen an. Das Potential von Hanf sei gewaltig, schwärmt Xaba. Nun müsse sehr gut durchdacht werden, wie die lokale Hanfindustrie aufgebaut werden soll.  

 

Neben dem anspruchsvollen Anbau von medizinischem Cannabis gebe es auch noch den Hemp genannten industriell nutzbaren HANF. "Dessen Faser kann für 22.000 verschiedene industrielle Zwecke verwendet werden. Das ist nachhaltig und es könnte Plastik, Textilien und Werkstoffe ersetzen." Die Pflanze, unterstreicht Xaba, habe auch eine positive Wirkung auf die Umwelt. "Man weiß, dass ein Hektar Hemp viermal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt als normales Grün."

 

Gute Geschäfte mit dem "grünen Gold"  

 

Erst gut ein Jahr ist es her, dass Simbabwe den Anbau von HANF und medizinischem Cannabis entkriminalisiert hat. Das auf den Vertrieb von CBD-Öl spezialisierte britische Unternehmen Eco Equity hat sich eine Lizenz gesichert und gerade seine erste Ernte eingefahren. Sie lässt ahnen, warum vom "grünen Gold" die Rede ist. "Wir sprechen von 1100 Kilogramm Öl, das nach Großbritannien exportiert wird", berichtet Unternehmensgründer Jon-Paul Doran. "Dann haben wir noch 1300 Kilogramm Rohstoffe aus unserem Gewächshaus. Insgesamt entspricht das einem Wert von 34 bis 35 Millionen US-Dollar."  

 

Auch Malawi und das Königreich Eswatini stehen in den Startlöchern für das Geschäft mit HANF. Traditionell gehört die Pflanze seit Jahrhunderten zur Kultur in diesen Ländern. Die klimatischen Bedingungen sind ideal, aber erst nach und nach werden die gesetzlichen Grundlagen für die industrielle Nutzung geschaffen.

 

CBD-Produkte in Südafrika allgegenwärtig  

 

Südafrika ist noch nicht so weit. Dabei kann man bereits überall aus HANF gewonnenes CBD-Öl kaufen: im Online-Handel, in Drogeriemärkten und auch in eigenen Läden. Das Unternehmen Southern Sky in Kapstadt produziert die Marke African Pure, die bei Schlafmangel, Muskelkrämpfen und Angstzuständen verwendet wird.  

 

Die Marke Good Leaf stellt Wellnessprodukte her. "Als wir angefangen haben wollten wir etwas schaffen, das Weltklasse ist und global mithalten kann, das aber auch authentisch afrikanisch ist", erläutert Warren Schewitz. Zur Produktpalette von Good Leaf gehören Kosmetik, Tropfen, Düfte und Getränke, die alle mit afrikanischen Heilpflanzen durchsetzt sind.  

 

Bewusst seien Pflanzen wie Moringa, Affenbrotbaum und Aloe Vera ausgewählt worden, die sich gut mit dem CBD der HANFpflanze ergänzen. Denn, so Schewitz, "alle haben eine entzündungshemmende Wirkung, die gut mit CBD zusammenpasst". Seit Anfang 2019 sind die Produkte auf dem Markt. Die Zuwächse liegen im zweistelligen Bereich.

 

Stetiges Wachstum  

 

Auch John Kagia von der US-Beraterfirma New Frontier Data, die sich auf den globalen HANF-Markt spezialisiert hat, spricht von einem stetig wachsenden Markt. Wenn der Rahmen einmal stehe, dann hätten die Länder im südlichen Afrika gute Chancen, eine führende Rolle auf dem Weltmarkt einzunehmen. "Afrika und auch Teile Lateinamerikas sind einzigartig gut positioniert, um die Welt mit HANF zu versorgen."

 

Afrikanische Bauern kultivierten die Pflanzen seit Jahrhunderten. Zudem, stellt Kagia nüchtern kalkulierend fest, seien die Arbeitskosten dort wirklich günstig. "Und es gibt Regeln, die sicherstellen, dass der HANF dem globalen Standard entspricht."  

 

Mbanje, Dagga, Weed oder Chamba - HANF hat viele Namen im Südlichen Afrika. Einiges ist seit dem vergangenen Jahr geschehen oder kommt jetzt ins Rollen für das große Geschäft mit der HANFpflanze. Wenn es richtig angepackt wird, könnte diese Industrie ein echter Jobmotor werden. Es sieht ganz so aus, als hätten die Länder im Südlichen Afrika das erkannt.

 

Quelle: Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg